Herr Frey, erinnern Sie sich noch an Ihren ersten Tag beim Bundesbau?

Na klar! Ich kam zur Arbeit und es war sehr still, kein Mensch weit und breit. Auf meinem Schreibtisch lag ein dicker Ordner und ich dachte: Oje, arbeiten auf dem Amt! Aber dann kam eine Kollegin, holte mich super ab und prophezeite: „Keine Sorge, so ist das nicht immer!“ Das war es auch nicht, mein erster Tag war nämlich ein Brückentag und schon am nächsten Montag war Leben im Büro.

Ihr Landesbetrieb kümmert sich im Auftrag des Bundes auch um den Bau und die Sanierung von Botschaftsgebäuden und Schulen auf der ganzen Welt. Was hat Sie am Auslandsbau gereizt?

Ich hatte teils in Dublin studiert und eine Weile in London und Dublin gearbeitet. Als der Bundesbau 2012 eine Stelle im Auslandsbau ausgeschrieben hatte, habe ich mich sofort beworben – und diese Entscheidung bis heute nicht bereut! Für das Gemeinwohl zu bauen, fand ich sehr attraktiv und dann noch die Mischung aus weiter Welt und geregeltem Schreibtischjob in Freiburg – das passte perfekt.

Wenn Sie zurückblicken: Was hat Sie überrascht?

Ich dachte, bei der Bauverwaltung im öffentlichen Dienst sei alles penibel geregelt mit vielen Formularen. Natürlich gibt eine gewisse Struktur Orientierung, aber wir sind sehr dynamisch, entwickeln alles weiter, passen Abläufe auf unsere sehr spezifischen Projekte an. Wir arbeiten zielorientiert, nicht verwaltungsorientiert. 

Blick auf das Haus Nummer 1014 an der Fifth Avenue in New York, das vom Bundesbau saniert wird.
© KARO Architects
Der Bundesbau saniert das ehemalige Goethe-Haus in New York nach Plänen von David Chipperfield, KARO Architects und Paratus. In dem Gebäude an der Fifth Avenue mit der Hausnummer 1014 engagiert sich die Non-Profit-Organisation "1014 – Space for Ideas".
Vier Männer sprechen miteinander und lächeln. Ryan Cox ©

„Als der Bundesbau 2012 eine Stelle im Auslandsbau ausgeschrieben hatte, habe ich mich sofort beworben – und diese Entscheidung bis heute nicht bereut!“

Dirk Frey, Referatsleiter Bundesbau Baden-Württemberg

Was ist im Auslandsbau spannender als an anderen Bauprojekten?

Die vielfältigen kulturellen Erfahrungen. Wir betrachten Dinge oft mit europäischem Blick, aber wir können von anderen Ländern viel lernen, auch baukulturell. Als Bauherrenvertretung geben wir ab dem Vorentwurf das Projekt an Teams, die gut vor Ort aufgestellt sind. In wichtigen Projektphasen sind wir aber immer auch selbst präsent.

Welche Herausforderungen gibt es im Auslandsbau? 

Das ist sehr landesspezifisch und abhängig von örtlichen Vorschriften. Wir bauen oft nicht neu, sondern sanieren im laufenden Betrieb. Dann muss man die Menschen von ihrem Glück überzeugen. Und ich sage es mal so: Botschafterinnen und Botschafter können durchaus meinungsstark sein.

Architektur wird auch von Religion und Politik beeinflusst. Wie politisch ist Ihre Arbeit, wie diplomatisch müssen Sie sein?

Einerseits sind wir Dienstleistende ohne eigene Agenda, denn Auftraggeber ist die Liegenschaftsverwaltung des Bundesamts für Auswärtige Angelegenheiten. Unsere Aufgabe ist es, qualitativ hochwertige Arbeit zu wirtschaftlichen Preisen abzuliefern. Andererseits sind Botschaften die Visitenkarten der Bundesrepublik. Sie sollen repräsentativ sein und die Werte unseres Landes ausstrahlen, offen, modern und nachhaltig sein. Das ist ein Balanceakt.

Wie viel James Bond steckt in Ihrem Job: Planen Sie auch Schutzräume, Geheimgänge, abhörsichere Umgebungen ein?

Wir müssen je nach Standort und Projekt viele Sicherheitsaspekte bedenken. Anders als James Bond darf ich aber nicht darüber reden.

„Wir betrachten Dinge oft mit europäischem Blick, aber wir können von anderen Ländern viel lernen, auch baukulturell.“

Dirk Frey, Referatsleiter Bundesbau Baden-Württemberg

Welches Projekt war besonders spannend oder skurril?

Ganz ehrlich: jedes! Wenn ich eines herauspicken muss, dann unser Projekt in Kirgisistan – ein tolles Land! Wir haben in der Botschaft in Bischkek drei Etagen in einem Projektteam mit den Architekturbüros Lindner und Nickl ausgebaut. Der Vermieter war auch unser Bauunternehmer. Die Baustelle war gleichzeitig eine Art Berufsschule. Unser Generalplaner hat ihm gezeigt, wie wir Trockenbauwände stellen und Lüftungsleitungen verlegen. Gleichzeitig haben wir selbst auch viel gelernt: Von den handwerklichen Leistungen etwa beim Tischlern und bei Fliesenarbeiten bin ich noch heute beeindruckt. 

Sie kennen sich mit internationalen Architektur-Traditionen bestens aus – welches Land schätzen Sie besonders?

Ich finde die Baukultur in Japan großartig. Man ist dort technisch sehr weit, etwa in Bezug auf den Erdbebenschutz. Japan ist tektonisch eines der aktivsten Länder der Erde und muss beim Bauen sehr innovativ sein. Gleichzeitig gibt es diese Hingabe an Handwerkskunst. Außerdem bin ich immer wieder von den Umgangsformen beeindruckt.

Gibt es auch ein Projekt, das Sie besonders stolz macht?

Ja, die Sanierung der Residenz in London. Das Gebäude hat die höchste Denkmalschutzeinstufung. Wir mussten in mehreren Bauschritten vorgehen – bei laufendem Betrieb. Wir haben das Projekt 2014 begonnen und zehn Jahre später abgeschlossen. Ich musste es leider mittendrin abgeben, weil ich die Position gewechselt hatte, aber ich habe das Team weiterhin begleitet. Ich erinnere mich, wie wir abends oft mit den Planern von Seifermann Architects im Pub saßen. Ich mag Großbritannien und Irland sehr. Im Herzen bin ich halber Angelsachse.

Welche Rolle spielen Innovationen und Megatrends in Ihrem Job?

Eine wichtige Rolle, vor allem die Digitalisierung. Aber: Wir gehen bei unseren Bauvorhaben mit vertraulichen Informationen um und dürfen nicht jeden Trend mitgehen, nicht jedes Tool nutzen. Auch die Nachhaltigkeit ist ein großes Thema – und ein großes Ringen. In Deutschland geht es oft darum, mit Hightech die Energieeffizienz zu steigern. Unsere Projekte sind aber weit weg, wir müssen robust und wartungsfreundlich bauen und die Bürokratie schlank halten. All diese Anforderungen müssen wir zusammenführen.  

Was tun Sie eigentlich, wenn Sie nicht arbeiten und in der Welt unterwegs sind? 

Dann bin ich trotzdem gerne unterwegs: mit meiner Frau beim Mountainbiken oder Wandern. Und ich habe gerade einen Segelschein gemacht. Ich bin gerne zuhause oder zumindest in Europa. 

Blick auf die obersten Stockwerke der frisch sanierten Deutschen Botschaft in London. Lyndon Douglas ©

„Wir haben die Sanierung der denkmalgeschützten Botschaftsresidenz in London 2024 erfolgreich abgeschlossen. Dieses Projekt hat mich wirklich stolz gemacht!“

Dirk Frey, Referatsleiter Bundesbau Baden-Württemberg

Über Dirk Frey – eine Architektenkarriere in sieben Etagen

  1. In den 90er-Jahren Architektur in Hannover und Dublin studiert.
  2. In Architekturbüros in London und Dublin gearbeitet.
  3. Zur Familiengründung nach Freiburg gezogen.
  4. Start in einem Büro, das viel für die öffentliche Hand tätig war.
  5. 2012 beim Bundesbau Baden-Württemberg als Projektleiter Auslandsbau beworben – mit Erfolg.  
  6. 2018 zum Referenten aufgestiegen.
  7. Seit Februar 2025 Mitglied der Geschäftsleitung. Als Referatsleiter zuständig für die Bereiche Auslandsbau, Sanitätsinfrastrukturmanagement der Bundeswehr, Zuwendungsbau, Nachhaltiges Bauen, US-Auftragsbau, NATO, Geheimschutz, Materielle Sicherheit, Munitionsinfrastruktur und mehr. 
     
Ryan Cox ©

rund
25
Projektleiter und
Projektleiterinnen
im Auslandsbau. 

White buildings

 

rund
50
Maßnahmen in
35 Ländern rund
um die Welt.

rund
25
Projektleiter und
Projektleiterinnen
im Auslandsbau. 

White buildings

 

rund
50
Maßnahmen in
35 Ländern rund
um die Welt.

Auslandsbau

Warum der Bundesbau Baden-Württemberg international arbeitet

Dass der Bundesbau Baden-Württemberg auch Projekte im Ausland betreut, erscheint zunächst überraschend.
Zuständig ist eigentlich das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) in Berlin und Bonn, eine nachgeordnete Behörde des Bundesbauministeriums. Für die zahlreichen Projekte wurde 2012 der Lösungsansatz gewählt, weitere Bauverwaltungen mit Auslandsbauprojekten zu beauftragen – in Bayern, Sachsen und Baden-Württemberg. Heute betreut der Bundesbau Baden-Württemberg rund 50 Baumaßnahmen weltweit.

Das sollte man für einen Bundesbau-Job im Bereich Auslandsbau mitbringen

„Wer Lust hat zu lernen, passt hierher“, sagt Dirk Frey, Referatsleiter bei der Bauverwaltung Baden-Württemberg. „Außerdem sollte man: 

  • andere Perspektiven einnehmen können, ohne die eigenen Ziele aus dem Blick zu verlieren
  • kommunikativ sein und auf Menschen zugehen können
  • mutig sein und gerne Neues ausprobieren
  • positiv denken, auch wenn mal etwas nicht funktioniert
  • ein Teamplayer sein, denn bei uns gibt es keine Einzelkämpfer“

Neugierig geworden? Dann schauen Sie sich unsere Auslandsprojekte gerne genauer an – oder klicken Sie durch unsere aktuellen Stellenangebote.