Herr Steinhoff, was erzählen die Gebäude des Bundes über unser Land?

Sie erzählen von unserer Demokratie. Ich bin in der Oberfinanzdirektion Nordrhein-Westfalen Referent für Zuwendungsbau und leite die Geschäftsstelle Zuwendungsbau. Wenn wir ein Museum errichten oder einen Sportplatz sanieren, dann sind diese Maßnahmen das Ergebnis demokratischer Prozesse, die Raum für gesellschaftliches Leben schaffen. Das ist ein hohes Gut!

Was bedeutet Zuwendungsbau genau?

Im Zuwendungsbau ist der Bund nicht Bauherr, sondern Geldgeber für Vorhaben von Kommunen, Vereinen oder Stiftungen. Deren Projekte können – nach baupolitischen und baukulturellen Gesichtspunkten – gefördert werden. Wir beraten und begleiten Zuwendungsempfänger, damit die Zuwendungsgeber, etwa die Bundesregierung oder einzelne Ministerien, guten Gewissens finanziell unterstützen können. Oftmals teilen sich Bund und Länder die Kosten paritätisch, wobei auch ein kleiner kommunaler Anteil hinzukommen kann. Diese Aufteilung der Förderanteile kann je nach Projekt variieren.

Was muss ein Projekt auszeichnen, damit es finanziert wird?

Es muss in bestimmte Förderprogramme passen. Als Teil der sozialen Infrastruktur sind beispielsweise Sportanlagen zentral für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Gesundheit der Bevölkerung. Strebt eine Kommune hierfür eine Zuwendung an, muss sie nachweisen, dass das Projekt die Kriterien des Programms erfüllt. Das gilt auch für Projekte aus den Bereichen Forschung und Kultur.  

Müssen Sie zwischen Politik, Verwaltung und Praxis moderieren?

Eher übersetzen. Wir arbeiten nach den Richtlinien für die Durchführung von Zuwendungsbaumaßnahmen (RZBau). Größere Kommunen haben Fachleute für Bauthemen und kennen meist bereits die Vorgaben. In kleinen Kommunen macht das manchmal der Bürgermeister selbst. Hier muss ich die Abläufe natürlich stärker erklären.

Was ist besonders spannend im Zuwendungsbau?

Die Vielfalt an Projekten! Wir wirken mit an Forschungszentren, Bibliotheken, Theatern, Sportplätzen, Schlössern, Stadtwäldern und vielem mehr. Darin liegt auch die Herausforderung. Aktuell begleiten wir die Sanierung des Gradierwerks einer Saline – wer hat denn so was schon gemacht?! Da müssen wir uns gut vorbereiten. Toll sind die Zuwendungsempfänger, oft Kommunen, die mit viel Engagement ihre Projekte umsetzen. 

Florian Steinhoff steht an einem weißen Tisch und arbeitet am Computer. Auf dem Tisch steht eine Kaffeetasse mit dem Logo „EZBAU“. Marc Masseck ©

1.700
Zuwendungs-
baumaßnahmen 
werden aktuell 
betreut.

Rund 80 % 
der Bundesmittel für 
Zuwendungsbau-
maßnahmen werden für
Wissenschaft und 
Forschung verwendet. 

„Der Bundesbau bietet sinnstiftende Aufgaben, bei denen man sich in die Allgemeinheit einbringen kann. Außerdem sind die Arbeitsbedingungen fair – das ist in der freien Wirtschaft oft anders.“

Florian Steinhoff, Referent Zuwendungsbau

Welche Empfänger sind besonders schwierig?

„Schwierig“ ist das falsche Wort. Viele Empfänger machen das zum ersten Mal und brauchen viel Beratung. Vereine sind oft genervt von der Bürokratie, aber dann sage ich ihnen: Im Sport spielt ihr auch nach Regeln, das ist bei uns nicht anders. Wir haben just ein Video gemacht, das unsere Abläufe erklärt. Das wird vielen Interessierten sicher helfen.    

Welches Zuwendungsbauprojekt fasziniert Sie am meisten? 

Das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen auf dem Bonner Venusberg. Ein sehr interdisziplinäres und komplexes Großprojekt mit beeindruckender Architektur. Das Neubauprojekt bietet Forschenden das bestmögliche Arbeitsumfeld und besticht durch seine Nachhaltigkeit. Dafür erhielt es vom Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB) die deutschlandweit erste Zertifizierung in Gold.

Apropos Nachhaltigkeit: Wie verändern die Megatrends, etwa auch demografischer Wandel und Digitalisierung, Ihre Arbeit? 

Wir spüren alle drei, aber die Digitalisierung ist Thema Nr. 1. Mein derzeit wichtigstes Projekt ist „eZBau“, also die Digitalisierung des Zuwendungsbaus. Wir haben eine Online-Anwendung aufgesetzt, die alle Beteiligten Schritt für Schritt durch die Projekte führt. Ich bin Teil eines Teams aus fünf Leuten, mit dem ich gerade die Länder schule.

Welchen Mehrwert erhoffen Sie sich davon?

Wenn eZBau läuft und gelebt wird, können wir Abläufe vereinfachen, effizienter arbeiten – und Berge von Papier verhindern.

Wie werden sich Förderkriterien verändern, auf welche Megatrends muss der Bund reagieren? 

Ein Stadtteil in Aachen soll demnächst mit sehr viel Begrünung versehen werden, und ich glaube, solche Mikroklimaprojekte werden in den Fokus rücken. Wichtig bei den Förderkriterien ist auch: Welchen Anteil kann eine Kommune stemmen? Die werden immer klammer, damit müssen wir umgehen.

Welche Rolle spielt eigentlich Ästhetik – jenseits von Funktion und Kosten?

Ästhetik spielt eine große Rolle, da unsere Projekte oft an exponierten Standorten und damit relevant für die Stadtplanung sind.

Gab es einen Moment, in dem Sie stolz auf Ihre Arbeit waren?

Ja, das bin ich immer nach Abschluss der Projekte bei den feierlichen Übergaben. Schön, dass der öffentliche Hochbau hier in Erscheinung tritt. Man will ja auch mal gelobt werden.

Architekt Florian Steinhoff im Steckbrief

Florian Steinhoff.

Architektur-Studium in Hannover, später Bau-Referendariat beim Land Niedersachsen.

Weil ich Greifbares erschaffen wollte.

Wäre ich Zahnarzt geworden.

2. August 2023

War super, die Atmosphäre sehr herzlich und offen.

Referent für Zuwendungsbau und Leiter der Geschäftsstelle in der Oberfinanzdirektion Nordrhein-Westfalen.

Meine Familie und die Natur. Wir besitzen einen Angelteich mit Bauwagen, dort bin ich sehr gerne.

Der reine Holzbau.

Das „Fallingwater“ in Pennsylvania von Frank Lloyd Wright – was für eine Formensprache! Es hat echte Steinwände und steht im Wald direkt über einem Wasserfall. Sehr beeindruckend!

Irgendwann möchte ich mein leerstehendes Elternhaus umbauen. Es ist leider zu weit von meinem Wohnort entfernt, aber ich hätte viele tolle Ideen dafür.

Florian Steinhoff lehnt in einem Treppenhaus an einem Geländer. Im Hintergrund sieht man einen hellen Flur und mehrere Fenster. Marc Masseck ©
Karriere im Zuwendungsbau?

3 Tipps für Interessierte von Florian Steinhoff

  1. Fragt euch zunächst, wie gestaltungsaffin ihr seid, denn wir arbeiten eher strategisch.
  2. Einige Jahre Berufserfahrung sind von Vorteil, da man viel baufachliches Wissen braucht.
  3. Habt ihr pädagogische Fähigkeiten? Dann seid ihr hier richtig. Bei uns muss man vermitteln können.