Die Bundeswehr soll moderner, schlagkräftiger – und klimaneutral werden. Was für manche überraschend klingt, ist für Timesh Jesurajah Alltag: In der Leitstelle für klimaneutrale Energieversorgung der Liegenschaften der Bundeswehr sorgt er dafür, dass Kasernen, Depots und Stützpunkte künftig mit sauberem Strom betrieben werden – ein Beitrag zur Sicherheit ohne viel Aufmerksamkeit, aber entscheidend. Denn letztlich geht es hier nicht nur um Nachhaltigkeit und CO2-Bilanzen, sondern auch um die Unabhängigkeit vom öffentlichen Netz. 

Bundeswehrgebäude müssen resilient sein

„Unsere Leistelle analysiert Energiepotenziale“, erklärt der Elektroingenieur, der seit rund zwei Jahren im Bundesbau arbeitet. „Ich untersuche die Liegenschaften insbesondere auf ihre Photovoltaikpotenziale und begutachte, wie viel Peak man auf den Dächern installieren kann. Peak steht für Kilowatt-Peak (kWp) und beschreibt die maximale Leistung von Photovoltaikmodulen bei Solaranlagen. Außerdem checke ich, wie viel Strom eine Liegenschaft ins Netz einspeisen darf und welche Maßnahmen kostentechnisch überhaupt sinnvoll sind.“

Ziel ist es, die Resilienz und Autarkie der Liegenschaften zu erhöhen – sowohl unter dem Aspekt der Versorgungssicherheit als auch mit Blick auf Klimaschutzziele. „Wir versuchen, möglichst viel Energie selbst zu erzeugen – tatsächlich autark sind oft nur einzelne Bereiche.“ Die Gebäude und Anlagen der Bundeswehr müssen resilient sein und dürfen nicht von einem einzigen Energieträger abhängen. Daher sichert die Leitstelle die Stromversorgung immer doppelt ab, etwa durch eine PV-Anlage und eine Notstrom-/ Ersatzstrom- versorgung. „Für diese Absicherung nutzen wir auch Stromaggregate, die mit Diesel und Heizöl betrieben werden. Öl ist für uns ein guter Energieträger, vielseitig einsetzbar, gut lagerbar. Perspektivisch wird es vermehrt regenerative Alternativen geben wie E-Fuels oder Wasserstoff“, sagt Jesurajah, der sehr von seiner Vorerfahrung mit Gebäudeleittechnik- und Heizungs-, Lüftungs- und Klimasystemen profitiert.

Energiequellen dürfen kein Sicherheitsrisiko sein

Die Windkraft bietet ebenfalls großes Potenzial, wenn da nicht die Sicherheitsbedenken wären: „Das Windrad wirft einen Schatten auf das Radarsystem. Das kann dazu führen, dass feindliche Flugobjekte verzögert erkannt werden. Würde man es schaffen, dieses Problem zu lösen, wäre das super“, findet der Niedersachse. Durch die große Dachfläche vieler Liegenschaften sind die Bedingungen für Photovoltaik zwar sehr gut – aber eben nur von Mitte Frühling bis Mitte Herbst: „In den übrigen Monaten wäre die Windkraft ein guter Ausgleich.“

Wäre… Die Bundeswehr ist eben kein Auftraggeber wie andere. Das zeigt sich auch in anderen Aspekten der Versorgung: Während im zivilen Bereich die Kopplung von PV-Anlagen und Gebäudeautomation in Smart-Home-Systemen gängige Praxis ist, ist dies im militärischen Umfeld undenkbar. „Das könnte ein Einfallstor für Hacker sein“, so Jesurajah, der sich im Alltag auch mit der veralteten Infrastruktur vieler Gebäude und dem Denkmalschutz auseinandersetzen muss.

Ingenieur Timesh Jesurajah arbeitet an einem Stehschreibtisch. An der Wand hinter ihm hängen Luftaufnahmen von Bauprojekten.

„2045 soll die Bundeswehr klimaneutral sein. Dafür müssen wir viel ausbauen und sanieren. Aber wenn wir das tun und den Energiebedarf senken, dann schaffen wir das.“

Timesh Jesurajah, Leitstelle für Klimaneutrale Energieversorgung der Liegenschaften der Bundeswehr

Bis 2045 soll die Bundeswehr klimaneutral werden

Das macht der junge Vater allerdings aus Überzeugung. „Ich habe mich sehr bewusst für diesen Job entschieden“, sagt Jesurajah, der zuvor in einem Ingenieurbüro arbeitete, das bundesweit die Niederlassungen einer großen Modekette betreute. Er sieht in der Energiewende eine der wichtigsten gesellschaftlichen Aufgaben. Dass er auch privat eine PV-Anlage auf dem Dach hat und ein E-Auto fährt, versteht sich von selbst.

„Es ist so einfach, etwas zur Klimaneutralität beizutragen, auch bei der Bundeswehr ist viel möglich. 2045 soll sie klimaneutral sein. Dafür müssen wir zwar viel ausbauen und sanieren. Aber wenn wir das tun und den Energiebedarf senken, schaffen wir das“, sagt der Fachmann. „Wenn ich mit meiner Arbeit zudem helfe, die Liegenschaften resilienter zu machen, dann macht mich das schon ein bisschen stolz.“ 

Timesh Jesurajah: Ein Elektroingenieur unter Architekten

Timesh Jesurajah.

Elektroingenieur.

Kindheitstraum. Meine Eltern kommen aus Sri Lanka. Mein Vater ist Elektriker, aber leider wurde seine Ausbildung hier nicht anerkannt. Er konnte alles reparieren, das fand ich cool!

Ich habe bei der Deutschen Bahn Elektroniker für Betriebstechnik gelernt, danach als Servicetechniker gearbeitet und berufsbegleitend Elektrotechnik studiert.

September 2023 – und zwar in der Leitstelle Klimaneutrale Energieversorgung der Liegenschaften der Bundeswehr.

Ich bewerte und begleite Maßnahmen zur klimaneutralen Energieversorgung, speziell im Bereich Strominfrastruktur.

Ich bin Stromdetektiv und stelle mit Sonnenfängern Strom aus der Sonne her. So ähnlich…

Ich organisiere das „Symposium Energieversorgung der Bundeswehr“, das einmal jährlich stattfindet.

Und wie! Ich fühle mich sehr gefragt. Außerdem sind die Kollegen total nett.

Ich mache gerade einen Master in Energiemanagement an der Fernuni Koblenz. Und ich gebe Azubis Nachhilfe. Es freut mich jedes Mal total, wenn die es schaffen. 

Ich bin verheiratet und habe zwei kleine Kinder. Meine Familie ist meine Energiequelle.