Der Zoll bekommt weitere Aufgaben und braucht mehr gut ausgebildete Fachkräfte – deshalb errichtete das Staatliche Bau- und Liegenschaftsamt (SBL) Rostock im Auftrag der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) einen neuen Campus der Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung / Fachbereich Finanzen. Das Projekt im Stadtteil Lichtenhagen soll nicht nur die bundesweit vernetzten Standorte erweitern, sondern ein Vorbild für moderne, inspirierende Arbeits- und Lernwelten sein.

Neuer Campus Lichtenhagen: Moderner Stadtbaustein für 600 Studierende

Das Großprojekt entlang der Möllner Straße 10 belebt ein Quartiersareal, das bereits während der DDR-Zeit zu einem Außenstandort der Universität Rostock entwickelt wurde. Täglich werden hier bis zu 600 Studierende Vorlesungen und Seminare absolvieren, sich auf Klausuren vorbereiten, zum Mittagessen verabreden und wohnen. Zusätzlich sorgen mehr als 130 Beschäftigte dafür, dass Lehre und Verwaltung, aber auch die Bewirtschaftung des Campus reibungslos laufen. Mit der Anbindung des Campus an die angrenzenden Wohnquartiere entsteht ein lebendiger Stadtbaustein. Das sind die Details: 


Städtebau: Campus-Park, Grünflächen und Regenwassermanagement

Der Campus erstreckt sich vom Lehrgebäude im Norden bis zu den Wohngebäuden im Süden. Dazwischen gibt es zwei große begrünte Freiflächen, auf denen viele Bäume erhalten wurden:

  1. Der Campus-Park verbindet Lehr- und Wohngebäude. Er dient als Aufenthaltsort für Studierende und ist auch für die Nachbarschaft zugänglich.
  2. Das erhöhte Gartendeck ist ebenfalls öffentlich zugänglich und bietet den Studierenden Raum für kreative Pausen.

192 Pkw-Stellplätze gibt es in der Tiefgarage unter den Wohngebäuden. Weitere 102 Parkplätze liegen im Nordosten des Grundstücks. Alle Gebäude wurden über bestehende Straßen erschlossen, sodass Park und Garten autofrei bleiben.

Retentionsmulden im Außenbereich sammeln Regenwasser und leiten es ins Grundwasser. Die Dachflächen (ebenfalls Retentionsdächer) sowie die Parkgarage wurden begrünt. Teile des Regenwassers des Lehrgebäudes werden in einer Zisterne gesammelt und zur Bewässerung der Grünflächen verwendet. In Kombination mit der artenreichen Bepflanzung entstehen ökologisch wertvolle Lebensräume – beispielsweise durch spezielle Kästen für Fledermäuse.


Die Zollhochschule Rostock – Einblicke in das größte Bundesbauprojekt in Mecklenburg-Vorpommern


600 Wohneinheiten in innovativer Holzmodulbauweise

Die Wohngebäude bieten 600 Einzelzimmer, 8 Eltern-Kind-Zimmer, 12 barrierefreie Zimmer sowie Gemeinschaftsküchen in den oberen Etagen. Im Erdgeschoss gibt es Aufenthaltsräume und einen Fitnessraum.

Tiefgarage, Erdgeschoss und Erschließungskerne sind Stahlbetonkonstruktionen. Alle Wohn- und Unterkunftsbereiche der Obergeschosse wurden in Holzmodulbauweise errichtet. Diese ermöglichte schnelles, nachhaltiges Bauen. Mit rund 1.000 Holzmodulen ist die Zollhochschule das größte Projekt dieser Art in Deutschland. Für das Projekt wurde in Rostock eigens eine Produktionslinie eingerichtet, die täglich bis zu acht Wohneinheiten fertigte. Verwendet wurde in Mitteleuropa heimisches Holz, überwiegend Fichte, das für eine helle, freundliche Atmosphäre sorgt und zugleich robust und pflegeleicht ist. 

Lichtdurchflutet und einladend: das Hauptfoyer des Lehrgebäudes.

Lehrgebäude: Holz-Hybrid-Konstruktion mit Mensa, Audimax und Bibliothek

Das Lehrgebäude entstand als vorgefertigter Holzbau, aufgrund der besonderen Anforderungen als Mischkonstruktion aus elementierter und modularer Holzbauweise. Das Unter- und Erdgeschoss sowie die Haupterschließungsbereiche der inneren Magistrale wurden aufgrund statischer und brandschutzplanerischer Anforderungen aus Stahlbeton errichtet. Das Lehrgebäude schließt den Campus nach Norden ab. Die zurückgesetzten Obergeschosse lassen das Gebäude leichter und offener wirken. Innen sorgen mehrere Lichthöfe für viel Tageslicht.

Im Erdgeschoss befinden sich Mensa, Audimax, Großlehrsaal und Bibliothek. Die Fassade im 1. Obergeschoss zum Campuspark ist transparent gestaltet und ermöglicht den Blick nach draußen. Die viergeschossige Erschließungsachse im Gebäude bildet eine großzügig und natürlich belichtete Magistrale, die Lehrsäle, Gruppenarbeitsräume, Büros und Servicebereiche zusammenführt. Eine spätere Erweiterung des Campus, zum Beispiel um eine Sporthalle, wäre baulich möglich.


Holzfassade an Wohngebäude, das eine Mischkonstruktion aus elementierter und modularer Holzbauweise ist.

Modernste Gebäudetechnik: PV-Anlagen und E-Mobilität

Bei der Maßnahme wurde das Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen des Bundes (BNB) sinngemäß angewendet, um das Silberniveau zu erreichen. Die Gebäude erzeugen lokal keine CO2-Emissionen und decken erhebliche Teile des Strombedarfs durch Photovoltaikanlagen selbst. In Gebäuden, Park und Gartenraum wurde ein innovatives und energiesparendes Beleuchtungskonzept umgesetzt. Die Pkw-Stellplätze erhielten anteilig E-Ladesäulen.

Die Gebäude werden mittels Fernwärme beheizt. Im Lehrgebäude können Lehr-, Arbeits- und Büroräume über kombinierte Heiz-/Kühldeckensegel im 4-Leiterprinzip individuell geheizt oder gekühlt werden. In den Sanitär-, Küchen- sowie Neben- und Technikräumen werden Plattenheizkörper verwendet, im Wohngebäude Heizkörper an der Fensterseite der Wohnräume sowie Handtuchheizkörper in den Bädern.

Alle Lüftungsanlagen in den Gebäuden wurden mit Wärmerückgewinnung ausgestattet. Im Wohngebäude sind die Unterkunftsräume zur Sicherstellung einer hohen Innenluftqualität sowie zur Abfuhr von Feuchtelasten in den Nassbereichen an eine zentrale Abluftanlage angebunden.

2026 Christian Hoffmann (SBL-MV / Ministerium für Finanzen und Digitalisierung MV) ©

1.000

Holzmodule wurden in 
der Zollhochschule, 
dem größten deutschen 
Holzmodulprojekt, verbaut.

8

Wohneinheiten wurden 
pro Tag in der 
eigens eingerichteten 
Produktionsstrecke 
in Rostock gefertigt.

25

Prozent der am Bau 
der Zollhochschule 
beteiligten Firmen 
stammten aus der 
Region.

1.000

Holzmodule wurden in 
der Zollhochschule, 
dem größten deutschen 
Holzmodulprojekt, verbaut.

8

Wohneinheiten wurden 
pro Tag in der 
eigens eingerichteten 
Produktionsstrecke 
in Rostock gefertigt.

25

Prozent der am Bau 
der Zollhochschule 
beteiligten Firmen 
stammten aus der 
Region.

Wie die Zollhochschule in Rostock gebaut wurde? Werfen Sie einen Blick in die „Nordreportage“ des NDR! 

Weitere Projekte