Den Traum in die Tat umgesetzt: Denkmalpflege am Pergamonmuseum

Bianca Jager startete im August 2022 im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) als Projektsachbearbeiterin für die Grundinstandsetzung und Ergänzung des Pergamonmuseums für den Bauabschnitt B. Mittlerweile hat sie die stellvertretende Projektleitung für diese Baumaßnahme sowie die Teilprojektleitung für das Schutzbauwerk des Interimsbesuchereingangs für das Pergamonmuseum (Bauabschnitt A) übernommen. Seit mehr als drei Jahren schlägt ihr Herz für dieses geschichtsträchtige Bauwerk und sie erledigt ihre Arbeit tagtäglich mit viel Engagement und Expertise. 

„Das Projekt erfüllt meine Erwartungen vollumfänglich – es ist einzigartig, anspruchsvoll und von höchstem öffentlichem und internationalem Interesse! Diese Baumaßnahme ist so besonders mit all ihren Herausforderungen, dass die Entscheidung klar darauf fiel. Allgemein betreut das BBR Projekte und Projektdimensionen, die nahezu einzigartig sind. Das ist extrem spannend“, meint Bianca Jager. Bereits beim Vorstellungsgespräch machte die 36-Jährige ihre Begeisterung für diese Baumaßnahme klar und sie ist nach wie vor sehr zufrieden mit ihrem Job.

BBR/ Niklas Janke ©

„Die Museumsinsel und speziell das Pergamonmuseum vereint die beiden Bereiche Museumsbau und Denkmalpflege so vollumfassend, besonders auch vor dem Hintergrund des laufenden Museumsbetriebs der benachbarten Häuser. Dieses Überdauern und mit seiner Arbeit ein Stück Geschichte mitzuschreiben – das ist einfach ein tolles Gefühl.“

Sanierung im Spannungsfeld von Denkmalschutz und Statik

Wenn in den Medien von der Sanierung des Pergamonmuseums berichtet wird, geht es hauptsächlich um die lange Bau- und die damit einhergehende Schließzeit des Museums. Die Architektin klärt auf: „Das hat mehrere Gründe: Zum einen können die Bauabläufe am Pergamonmuseum oft nicht parallel stattfinden. Die größte Herausforderung ist dabei die Statik des Museums und die Gründung mit der Kolkbrücke. Wir können nur begrenzt Lasten, wie beispielsweise Gerüste, Einhausungen oder Material, auf die Museumsinsel und auch in das Pergamonmuseum einbringen. Zum anderen ist es ein riesiger logistischer Aufwand, überhaupt Material auf die Museumsinsel zu transportieren, da wegen der angrenzenden Museen und der Begrenzung durch den Kupfergraben kaum Lagerflächen zur Verfügung stehen. 
Es bedarf daher zahlreicher Abstimmungen und gut getakteter Bauabläufe. Zusätzlich bauen wir in einer sensiblen Umgebung. Alle umliegenden Museen, auch das Pergamonmuseum selbst, beherbergen weltbekannte Exponate. Zum Schutz dieser wird die Baumaßnahme schwingungstechnisch begleitet.“ Kurzum: Es handelt sich um hochspezialisierte Themen, die normale Bauvorhaben deutlich übersteigen.

Zwischen Koordination, Kostenkontrolle und Bauherrenvertretung

Das Zusammenspiel aus Architekten, Bauingenieuren, Statikern, Prüfsachverständigen, Vermessern, Restauratoren und Bauforschern, die alle ihre Fachexpertise vereinen und zum Gelingen dieser Maßnahme beitragen, machen für Bianca Jager den besonderen Reiz dieses Projektes aus. „Ich bin glücklich, mein Wissen dazu beizutragen und Teil des Teams sein zu können“, erzählt die 36-Jährige begeistert. 

Als Projektsachbearbeiterin betreute sie vorrangig Vergabeeinheiten, von der Veröffentlichung der Leistungen bis hin zur Auftragsvergabe. Dafür war der regelmäßige Austausch mit verschiedenen Fachplanern fester Teil ihres Arbeitsalltags. Nach der Auftragsvergabe kamen noch die Betreuung des Auftragnehmers sowie die Koordination der Termine und Kosten zum Auftrag hinzu. Auch die Aspekte der Nachhaltigkeit, Abstimmungen zur Öffentlichkeitsarbeit und die Denkmalpflege mit den jeweiligen restauratorischen Anforderungen waren Themen, die Bianca Jager ebenfalls im engen Austausch mit der Projektleitung und weiteren Mitarbeitenden im BBR betreute.

Als stellvertretende Projektleitung sind die Aufgaben umfassender. So ist neben der Prüfung der Ausführungsplanungen sämtlicher Kostengruppen auch die Fortschreibung und Finalisierung dieser ein Schwerpunkt. Die Durchsetzung zur Einhaltung der Projektziele steht hierbei stets im Fokus. Bianca Jager übernimmt Projektmanagementaufgaben und im Rahmen der Bauherrenvertretung die Termin- und Kostensicherung der Bauausführung. Sie verantwortet dabei auch das Vertrags- und (Anti-)Claim-Management mit den bauausführenden Unternehmen und leitet beziehungsweise koordiniert mit der Projektleitung das freiberufliche Projektteam.

„Ich sehe mich wie eine Lebensabschnittsgefährtin eines Hauses. Es muss nicht immer ein spektakulärer Entwurf sein. Die Top-Sanierung eines Denkmals ist ebenfalls gute Architektur. Im Idealfall sieht man auch gar nicht, dass ich am Gebäude dran war.“ 

Bianca Jager

Früh geprägt von der Begeisterung für historische Bauten

Zu Beginn ihres Bachelorstudiums waren es der Bauprozess und die Umsetzung der eigenen Vorstellungen, die Bianca Jager an der Architektur fasziniert haben. Im weiteren Verlauf wuchs dann allerdings die Begeisterung für den Denkmalschutz. Der Impuls einer ehemaligen Dozentin brachte sie zu ihrem Studienschwerpunkt der Historischen Bauforschung. Bereits vor ihrem Masterstudium musste Bianca Jager zwei Jahre Berufserfahrung sammeln, um ihren Master in Historischer Bauforschung und Denkmalpflege an der Technischen Universität (TU) Berlin antreten zu können. Das ist keinesfalls üblich für ein Masterstudium in der Architektur. Daher arbeitete die junge Architektin nach ihrem Bachelorabschluss in zwei Architekturbüros in Köln.

Eines davon war zudem auf Denkmalpflege spezialisiert. Der Austausch der verschiedenen Disziplinen in ihrem Masterstudium – von Architekten, Bauingenieuren und Stadtplanern bis hin zu Restauratoren, Kunsthistorikern und Archäologen – war sehr spannend und auch hilfreich für folgende Projekte. Nach dem Masterabschluss übernahm sie bei ihrem ehemaligen Arbeitgeber die Dach- und Fassadensanierung der Bezirksregierung Düsseldorf als planende und bauleitende Architektin. Das war für die junge Studienabsolventin ein mehr als lukratives erstes Jobangebot. „Ich habe es geliebt in Berlin, aber wäre ich nach dem Studium direkt hier geblieben, hätte ich mich als Absolventin überall neu behaupten müssen. Im Architekturbüro in Köln konnte ich weiter Berufserfahrung sammeln, mein Können unter Beweis stellen und ein spannendes Projekt betreuen“, erinnert sich Bianca Jager. 

Die hohe fachliche Kompetenz und das Miteinander mit allen Planungsbeteiligten bereiten ihr bei ihrer Arbeit für das Pergamonmuseum besondere Freude. „Das Projekt ist eine massive, monumentale Aufgabe mit zahlreichen Abhängigkeiten, die ein hohes Maß an fachlicher Expertise und Auseinandersetzung mit dem Vorhandenen erfordert. Die Museumsinsel und speziell das Pergamonmuseum vereint die beiden Bereiche Museumsbau und Denkmalpflege so vollumfassend, besonders auch vor dem Hintergrund des laufenden Museumsbetriebs der benachbarten Häuser. Dieses Überdauern und mit seiner Arbeit ein Stück Geschichte mitzuschreiben – das ist einfach ein tolles Gefühl“, so Bianca Jager.

„Man hilft einem Haus, wenn man es einerseits bewahrt und andererseits in eine heutige Betriebstauglichkeit umsetzt, damit es fortwährend und möglichst langfristig bestehen kann. Das macht das Verhandeln mit der Denkmalpflege und meine Arbeit so spannend.“ 

Bianca Jager

Ein Zusammenspiel aus tausend Handgriffen

Eine Baumaßnahme dieser Größenordnung bringt auch Herausforderungen mit sich. Die vielen verschiedenen Abstimmungen mit den zahlreichen Beteiligten bestimmen ihren Arbeitsalltag sehr. „Schnittstellen über Schnittstellen und dementsprechend vielzählige Abhängigkeiten, die ausnahmslos zu beachten sind. Das Pergamonmuseum steht als größtes Haus auf der Museumsinsel und Baustelleneinrichtungsflächen sind rar. Die vielen Abstimmungen sind zum Gelingen dieser Maßnahme essentiell“, betont sie. Dafür sind viele einzelne Handgriffe notwendig, die ineinandergreifen müssen und zu großen Teilen im Hintergrund ablaufen, bis ein Ergebnis tatsächlich zu sehen ist.

„Die Tätigkeit eines Architekten in einem Architekturbüro und die Tätigkeiten eines Architekten im BBR bauen meiner Meinung nach aufeinander auf. Ich hätte mich sicher schwergetan, direkt nach dem Studium im BBR anzufangen, denn man braucht die Erkenntnisse aus der eigenen Planertätigkeit, um das Ganze besser fachlich bewerten und im Bauprozess mitverfolgen zu können“, meint die Architektin.

Die Kunst der unsichtbaren Sanierung

Da es sich bei der Baustelle, die Bianca Jager betreut, um ein Denkmal handelt, sind regelmäßige Ortstermine unverzichtbar, um sich immer wieder ein Bild vom aktuellen Stand machen zu können. Homeoffice ist natürlich kein Problem, aber: „Ehrlich gesagt, bin ich oft zu neugierig und will dann bei den Baustellenterminen auch dabei sein. Daher nutze ich die Gelegenheit nicht so oft, aber bei Bedarf diese Flexibilität zu haben, finde ich echt gut.“
Auch die Themen Zusammenarbeit im Team und gegenseitige Unterstützung sind Bianca Jager sehr wichtig im Berufsalltag. „Da jeder einen anderen Wissensstand hat, werden Fragen an praktischen Beispielen oder realen Vorgängen erklärt. Ich habe viele nette Kolleginnen und Kollegen im Referat und wir supporten uns gegenseitig. Ich schätze den fachlichen Austausch ebenso wie interessante oder humorvolle Unterhaltungen. Generell mag ich es, wenn man engagiert, aufrichtig, verbindlich und charmant ist und den Kollegen die Arbeit sowie das Arbeitsergebnis ebenso wichtig ist wie mir“, findet sie.

Von der kölschen Garde zur Berliner Denkmalpflege

Seit ihrer Kindheit ist Bianca Jager in ihrer Heimat, dem Rheinland bei Köln, im Karnevalsverein engagiert, hat 23 Jahre aktiv in der Garde getanzt und das Training der Jugend übernommen. In der Karnevalszeit ist sie immer in der Heimat anzutreffen. „Denkmalpflege und Brauchtum liegen dann doch eng beieinander“, erzählt sie lachend. Der Umzug nach Berlin hatte leider zur Folge, dass sich ihr Engagement auf die ehrenamtlichen Tätigkeiten als Schriftführerin und Pressewart reduziert. Alle vier bis sechs Wochen zieht es sie noch in ihre Heimat, aber Berlin ist jetzt ihr Zuhause, wo sie sich wohlfühlt. 

Die junge Architektin liebt das kulturelle Leben in Berlin, das sowohl kulturell als auch städtebaulich unschlagbar sei. „Gerade auf Städtereisen besuche ich gerne Museen, um auch von anderen Häusern in unterschiedlichen Städten und Ländern Inspirationen zu gewinnen. Zudem gehe ich wöchentlich zum Cycling, um beim Sport den Kopf freizubekommen“, berichtet Bianca Jager. 
„Ich sehe mich wie eine Lebensabschnittsgefährtin eines Hauses. Es muss nicht immer ein spektakulärer Entwurf sein. Die Top-Sanierung eines Denkmals ist ebenfalls gute Architektur. Im Idealfall sieht man auch gar nicht, dass ich am Gebäude dran war. Man hilft einem Haus, wenn man es einerseits bewahrt und andererseits in eine heutige Betriebstauglichkeit umsetzt, damit es fortwährend und möglichst langfristig bestehen kann. Das macht das Verhandeln mit der Denkmalpflege und meine Arbeit so spannend“, so Bianca Jager.

Weitere Artikel
Berufserfahrene
Karriere
Erfahrungsbericht
Zukunft
...
Potrait von Markus Busch.
Berufserfahrene
Karriere
Erfahrungsbericht
Zukunft
...
Karriere

Als Architekt im Bundesbau – ein Erfahrungsbericht von Markus Busch, Fachbereichsleiter Hochbau BMVg und NATO

Warum der Bundesbau die Kür des öffentlichen Bauens ist und wie man hier an seinen Aufgaben wachsen kann, erzählt der umfassende Bericht von Markus Busch.

Neubau
Auslandsbau
Berlin / Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung
...
Neubau
Auslandsbau
Berlin / Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung
...
Projekte

Botschaftsneubau in Wien

Der Neubau der Deutschen Botschaft Wien entstand ab 2021 nach Plänen von Schulz und Schulz Architekten (Leipzig) im 3. Wiener Bezirk. Ende 2024 wurde er baulich fertiggestellt und im April 2025 zur Nutzung übergeben.

Neubau
zivile Bauprojekte
Brandenburg
...
Blick in den Innenhof eines mehrstöckigen Gebäudes mit vollständig eingerüsteter Fassade und blauem Himmel im Hintergrund.
Neubau
zivile Bauprojekte
Brandenburg
...
Projekte

Neubau Polizeipräsidium Potsdam

Die Bundespolizei baut aktuell einen neuen Hauptsitz in Potsdam – rund 850 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Bundespolizei sollen dort voraussichtlich ab 2023 arbeiten. Bereits im April 2007 entschied das Bundesministerium des Innern (BMI), das neue Bundespolizeipräsidium in Potsdam unterzubringen. Grund hierfür war die Neuausrichtung der Organisation der Bundespolizei.