Die Residenz am Belgrave Square ist als denkmalgeschütztes Gebäude von herausragender Bedeutung eingestuft. Das historische Wohngebäude besitzt in weiten Teilen einen ausgeprägten musealen Charakter, der bei allen planerischen und baulichen Maßnahmen berücksichtigt werden musste. 

Denkmalschutz und Regelwerke: Planung der Residenz am Belgrave Square

Für den Bundesbau Baden-Württemberg ergab sich daraus eine Herausforderung: Die Baumaßnahmen waren nach den Gepflogenheiten und Regularien des Gastlandes zu planen und zu genehmigen, ohne dabei die deutschen Qualitäts- und Sicherheitserwartungen aus dem Blick zu verlieren. Da sich die Regelwerke beider Länder nicht unmittelbar miteinander verbinden ließen, wurde ein abgestimmter Ansatz gewählt. Grundlage bildeten die geltenden britischen Vorschriften, die bei den zuständigen Behörden die Genehmigungsfähigkeit sicherstellten. Dort, wo die besonderen Anforderungen an eine diplomatische Liegenschaft weitergehende Maßnahmen erforderten, wurden diese gezielt durch ergänzende deutsche Standards berücksichtigt. Als Wohngebäude war die Nutzung der Residenz zudem klar definiert; eine Umwidmung von Flächen, obwohl umfangreich vorhanden, beispielsweise für Büronutzungen, war nahezu unmöglich. Mit Augenmaß und fachlicher Abwägung gelang es, einen Weg zu finden, der sowohl den rechtlichen Rahmenbedingungen des Gastlandes als auch den Anforderungen des Bundes gerecht wurde.

© Lyndon Douglas
Musikzimmer im öffentlichen Teil der Residenz
Lyndon Douglas ©

„Jedes Land hat seine eigenen Wege und Prioritäten, aber die grundlegenden Schutzziele sind vergleichbar. Unsere Aufgabe bestand darin, die Gemeinsamkeiten zu erkennen und sinnvoll zusammenzuführen.“ Projektleiter Jan Peter Reeves 

Lokale Expertise und gemeinsame Lösungen bei der Planung der Residenz

Die Zusammenarbeit mit den vor Ort beauftragten Planern war ein prägendes Element des Projekts. Im kontinuierlichen Austausch konnten unterschiedliche Perspektiven zusammengeführt und gemeinsame Lösungen entwickelt werden. Aufgrund der langen Projektdauer war es besonders wichtig, Entscheidungen und Planungsgrundlagen nachvollziehbar zu dokumentieren. So konnte die Kontinuität im Projektverlauf gewährleistet und sichergestellt werden, dass wesentliche Zusammenhänge auch über längere Zeiträume hinweg erhalten blieben.

Transparente Projektkommunikation und Kontinuität bei der Bauplanung

Da unterschiedlichste Partner am Projekt beteiligten waren – darunter britische Planer und Genehmigungsstellen, das Auswärtige Amt als Maßnahmenträger, die Nutzervertretung der Botschaft sowie das Bundesministerium der Finanzen als haushaltsgenehmigende Stelle – waren eine abgestimmte Kommunikation und klare Informationswege unabdingbar. Der Bundesbau Baden-Württemberg übernahm die koordinierende Funktion und vermittelte zwischen den verschiedenen Anforderungen, Erwartungen und Informationsbedarfen der Beteiligten. Basis für den Erfolg war eine strukturierte Bereitstellung der wesentlichen Projektinformationen, angepasst an die unterschiedlichen Beteiligten. So gelang es, gemeinsam den Überblick über Zusammenhänge und Entscheidungen zu bewahren. Gerade bei einer langfristig angelegten Baumaßnahme wie dieser, erwies sich eine solche kontinuierliche Abstimmung als Erfolgsfaktor für die Projektumsetzung.

© Lyndon Douglas
Die Residenz Chesham Place an der Ecke Belgrave Square

Schrittweise Umsetzung und erfolgreiche Übergabe 

Die erste Bauphase konnte als „Kleine Baumaßnahme“ innerhalb eines kurzen Planungs- und Realisierungszeitraums umgesetzt werden. Anlass waren erforderliche Anpassungen im Bereich Brandschutz und Verkehrssicherheit; insbesondere im Brandschutz bestand die Notwendigkeit, kurzfristig Maßnahmen umzusetzen, da andernfalls eine Stilllegung gedroht hätte.

Im Anschluss erfolgte die Dachsanierung (2016–2018), mit der die großflächigen Undichtigkeiten behoben wurden. Der letzte Sanierungsabschnitt startete nach pandemiebedingter Verzögerung im Frühjahr 2023. Im Oktober 2024 konnten die fertiggestellten Räume an den Maßnahmenträger und die Auslandsvertretung London übergeben werden. Erst mit Abschluss der Sanierungsmaßnahmen waren die Voraussetzungen geschaffen, um die geltenden Anforderungen an Brandschutz, Gebäudeabsicherung und Verkehrssicherheit vollständig zu erfüllen.
 

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